Gastbeitrag von Lars Traben

Warum fühlen wir uns weniger gestresst und haben mehr Energie, nachdem wir uns in der Natur aufgehalten haben? Fünf praktische Übungen für mehr Wohlbefinden

Die Menschen haben den größten Teil unserer Menschheitsgeschichte in und mit der Natur gelebt. Erst mit der Sesshaftigkeit haben wir versucht die Natur zu bezwingen und uns dadurch von ihr abgetrennt. Wir haben uns Häuser gebaut, um uns vor den Unbilden der Natur, wie zum Beispiel Sturm, Niederschläge und Gewitter zu schützen. Überall auf der Welt leben die Menschen seit über 2.000 Jahren hauptsächlich in Städten und somit getrennt von der Natur. Wir halten uns seitdem überwiegend in geschlossenen Räumen im urbanen Lebensraum auf. Durch die Digitalisierung in den letzten Jahren starren wir außerdem über zehn Stunden täglich auf irgendwelche Bildschirme. Stress sowie Schlaf- und Aufmerksamkeitsstörungen sind die Folgen.

Nachweislich verringert der Aufenthalt von nur 20 Minuten in der Natur den Stress. Dazu stellen sich viele weitere messbare, positive körperliche Effekte ein: Der Puls und der Blutdruck sinken, die Stresshormone nehmen ab und die Muskeln entspannen sich. Um diese Effekte zu spüren, müssen wir uns einfach nur in der Natur aufhalten. Es ist kein Sport, kein Wandern oder Joggen notwendig. Am besten tritt man mit allen fünf Sinnen in Kontakt mit der Natur. In geschlossenen Räumen, wie zum Beispiel unserer Wohnung, nutzen wir meist nur zwei unserer Sinne. Dies sind überwiegend die Augen und die Ohren. In der Natur sollten wir jedoch alle unsere Sinne nutzen und uns so wieder mit ihr verbinden. Und wenn wir in Verbindung mit der Natur sind, kann sich unser Nervensystem neu einstellen aber auch unser Körper und Geist können sich entspannen.

Doch wie können wir die Natur mit allen Sinnen wahrnehmen? Hier fünf praktische Übungen, die jeder in den Alltag integrieren kann (Diese Übungen bauen aufeinander auf, können aber auch einzeln durchgeführt werden):

1. Ankommen und Erden

Geh hinaus in die Natur und suche Dir eine ruhige Stelle. Es ist dafür egal, ob Du in einen Wald, einen Park oder auf eine Wiese gehst. Ziehe, wenn Du magst, die Schuhe und Socken aus und stelle dich barfuß oder mit Schuhen auf den Boden. Schließe die Augen und nehme wahr, was um Dich herum ist. Um etwas zur Ruhe zu kommen, kann es helfen, dass Du dreimal langsam ein- und wieder ausatmest. Stell Dir vor, dass Du mit Deinen Füßen fest mit dem Boden verbunden bist. Vielleicht hilft es, dass Du dir Wurzeln vorstellst, die aus Deinen Füßen in die Erde wachsen.

2. Hören und Lauschen

Lass die Augen noch geschlossen und höre, was Du in Deiner Umgebung wahrnehmen kannst: Das Singen der Vögel, das Rauschen eines Baches oder auch den Wind, der die Baumwipfel bewegt. Beurteile nicht in Kategorien wie angenehm oder unangenehm. Nimm einfach nur wahr, was gerade ist. Vielleicht kannst Du auch in Deinem Kopf eine Geräusche-Landkarte erstellen. Woher singt der Vogel, ist er nah oder fern?

3. Fühlen und Spüren

Im nächsten Schritt wollen wir uns nun dem Tast- bzw. Fühlsinn zuwenden. Der menschliche Körper ist mit Millionen von Sinneszellen in der Haut ausgestattet, womit wir auch die Natur wahrnehmen können. Öffne für diese Übung nun wieder die Augen. Wenn Du barfuß bist, fühle mit Deinen Füßen den Untergrund. Ist dort eventuell weiches Moos oder Gras, ist der Boden kalt oder warm? Aber auch mit den Händen kannst Du zum Beispiel einen Baum abtasten. Wie fühlt sich die Baumrinde an? Ist sie hart, ist sie glatt oder gefurcht? Wenn es etwas windig ist, kannst Du vielleicht am Körper den Luftzug spüren?

4. Riechen und Beschnuppern

Nach den ganzen Sinneseindrücken aus den vorangegangenen Übungen, kommt nun unsere Nase und damit der Geruchssinn an die Reihe. Schließe nochmal die Augen und nimm den Geruch der Natur wahr. Was kannst Du wahrnehmen? Auch kannst Du Dir Gegenstände vom Boden aufheben und daran schnuppern. Wie riecht ein Blatt, ein Zapfen oder ein Zweig? Bei dieser Übung ist es schön, wenn Du Dich ganz auf das Riechen konzentrierst und nicht nach angenehm/unangenehm klassifizierst.

5. Abschluss und Kraft tanken

Komm nun zum Schluss der Übungen nochmal ganz dort an, wo Du gerade stehst. Schließe die Augen und spüre den Erdboden unter Deinen Füßen. Spüre die Wurzeln aus der ersten Übung, die Dich mit der Erde verbunden haben. Stell Dir nun vor, wie diese Wurzeln langsam wieder zurück in Deine Füße gleiten. Löse damit langsam die Verbindung zur Erde. Atme noch dreimal langsam ein und wieder aus. Stell Dir vor, wie Du dabei die positive Kraft der Natur in Deinen Körper aufnimmst. Öffne anschließend die Augen und verlasse gestärkt mit neuen Eindrücken die Natur und kehre zurück in den urbanen Lebensraum.

Nach diesem kurzen Aufenthalt in der Natur fühlst Du Dich weniger gestresst und hast wieder Energie, um die noch anliegenden Aufgaben des Tages zu bewältigen.


Infos zum Autoren Lars Traben